Tierpsychologie
15. Januar 2009 von Anke
Was macht ein Tierpsychologe?
Manchmal verhalten sich unsere Haustiere sehr merkwürdig und dann kann der Tierarzt nicht immer helfen. Hier versucht der Tierpsychologe auffällige Tiere und deren Besitzern zu helfen. Dazu sollte ein Tierpsychologe ein fundiertes Grundwissen über Haustiere haben, wie zum Beispiel arttypisches Verhalten, artgerechte Haltung, Entwicklung und Erziehung.
Wichtig sind natürlich auch Grundkenntnisse der menschlichen Psychologie. Der Tierpsychologe geht in die vertraute Umgebung des Haustieres, um sich dort die Verhaltensauffälligkeit anzusehen. Nach der Analyse des Problems wird ein Therapieplan für das Tier und seinen Besitzer ausgearbeitet. Oft liegt das Problem nämlich nicht beim Tier selber, sondern bei seinem Besitzer.
Beispiel:
Ich hatte einmal einen Zwergpudel als Patienten. Die Besitzer, ein Ehepaar mittleren Alters ohne Kinder, schilderten mir folgendes Problem. Immer wenn sie mit dem Hund Auto fahren, springt dieser durchs Auto (allerdings durch einen Gurt gesichert) und bellt wie verrückt. Ansonsten ist er ein lieber und netter Kerl. Also bin ich zu der Familie gefahren und habe mir den Hund angesehen. Nachdem ich mich aufs Sofa gesetzt habe, sprang er gleich mit einem Spielzeug im Maul zu mir. „Bitte nicht anfassen“, sagte sein Frauchen gleich, „er passt auf sein Spielzeug auf“. Auch das Frauchen konnte ihm das Spielzeug nur wegnehmen, nachdem sie ihm ein Leckerchen gegeben hat. Hier war mir sofort klar, dass der Pudel nicht wirklich erzogen war. Dafür war er aber Chef im Haus. Ich bin dann erst einmal einen Fragebogen mit den Besitzern durchgegangen (allgemeine Fragen zum Hund und zum Tagesablauf). Hier wurde mir klar, dass der Hund überhaupt nicht ausgelastet war, weder körperlich noch geistlich. Ich empfahl also erst einmal ausgiebige Spaziergänge und Unterordnungsstunden. Daraufhin besserte sich das allgemeine Verhalten des Hundes relativ schnell. Er war viel ausgeglichener. Also mussten wir nur noch das Problem mit dem Auto fahren lösen. Das war relativ einfach. Wir haben eine Hundebox gekauft, aus der der Pudel nicht heraussehen konnte. Außerdem habe ich den Besitzern empfohlen, jeden Tag mit dem Hund Auto zu fahren, ohne ein Ziel zu haben. Sonst endeten die meisten Autofahrten nämlich mit einem tollen Spaziergang oder etwas anderem Aufregendem. Zusätzlich habe ich den Pudel noch mit Bachblüten (Vervain) versorgt, die ihn insgesamt etwas ausgeglichener machen sollten.
An diesem Beispiel sieht man, dass viele Verhaltensprobleme sich sehr leicht lösen lassen. Leider ist es aber nicht immer so.
Anwendungsgebiete:
Die häufigsten Probleme treten bei Hunden und Katzen auf.
Das häufigste Problem bei Hunden ist die Aggressivität. Sei es gegenüber von anderen Hunden oder auch Aggression gegen Menschen. Weiter Probleme sind zum Beispiel Ängstlichkeit, Stubenunreinheit, übermäßiges Bellen und Zerstörungswut.
Das häufigste Problem bei Katzen ist die Unsauberkeit. Es gibt aber auch Probleme wie Angst, Aggression, destruktives Verhalten und ähnliches.
Manchmal kommen auch Pferdebesitzer mit Verhaltensproblemen. Die lassen sich aber oft nicht behandeln, da sie haltungsbedingt sind.
Natürlich gibt es auch Verhaltensprobleme bei anderen Haustieren, aber das kommt in der Praxis sehr selten vor.
Wie an dem Beispiel mit dem Pudel zu sehen ist, kann man viele Verhaltensprobleme sehr gut therapieren. Viele Verhaltensprobleme sind eigentlich eher Erziehungsprobleme. Leider schaffen sich viele Menschen ein Haustier an, ohne sich vorher zu informieren. Gerade bei der Anschaffung von Hunden könnte viele Fehler vermieden werden, wenn sich die zukünftigen Hundebesitzer sich ausgiebig informieren würden.
Ein Hund, der von Anfang an gut geprägt und erzogen wird, macht normalerweise später auch keine Probleme. Hierfür ist natürlich ein gewisses Grundwissen erforderlich.





Sehr interessant. Das ist gut zu wissen, was eigentlich die Psychoöogie eigentlich unseren Haustieren ist. Danke für die ausführliche Information, die wird mir bestimmt sehr nützlich sein.
Ich habe etwas Mühe mit der Tierpsychologie. Ich glaube dass leider viele Scharlatane dabei sind. Ich habe Frau J. Blaha kennengelernt die mit meinem Pferd zusammengearbeitet hat und seitdem hat mein Pferd eine agressive Ader…
@ Ravenna: Wie in jeder “Branche” gibt es gute und schlechte Dienstleister. Es hat etwas mit Herzblut, Hingabe und Berufung zu tun und ist kein “Beruf” wie Kfz-Mechaniker. “Lampe leuchtet nicht = Birne tauschen” funktioniert hier nicht. Ich kenne die angesprochene Dame nicht und kann nichts dazu sagen.
Ein Tierpsychologe muss sich immer zuerst mit dem Menschen und das heißt auch sich selbst auseinandersetzen. Dazu kommt jahrelange Erfahrung und das Händchen für das Tier. Ist das alles nicht gegeben, geht die Sache schief …
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