Peta kämpft gegen Rassenwahn in der Hundezucht
4. August 2010 von Ralf
Mit diesem sehr provokanten Plakat stellt sich peta (People for the Ethical Treatment of Animals = Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren) anläßlich der VDH-Hundeschau in Bremen (Bremen bellt) am vergangenen Wochenende gegen die Rassehundezucht. Das Plakat will sicher provozieren und tut dies auch. Der kleine Hunde mit der Stirnlocke und dem Kamm als Schnauzbart erinnert an Deutschlands dunkelstes Kapitel, als selbsternannte Herrenmenschen ihre Vorstellungen vom reinen starken Deutschen mit allen Mitteln durchsetzen wollten und nach zwölf Jahren ein tausendjähriges Reich in Schutt und Asche lag. Peta schießt damit mal wieder weit über das Ziel einer seriösen Kampagne hinaus. Gut, diese Organisation ist für ihre “andere” Art der Werbung bekannt, doch muss Rassehundezucht gleich mit dem 3. Reich in Verbindung gebracht werden?
Rassehundezucht ist sicher kontrovers zu sehen und zu bewerten und Qualzuchten sind sicher abzulehnen. Doch nahezu 100% der Hundezüchter, die im VDH (Verband für das deutsche Hundewesen) organisiert sind, wollen gesunde Hunde züchten, die in Familien leben können. Doch auch diese “kleinen” Züchter werden von Peta verurteilt und ihnen wird im Artikel ein Verstoss gegen den Tierschutz unterstellt.
Damit trifft Peta aber die Falschen! Denn die VDH-Züchter sind meist verantwortungsbewußt und wissen, was sie tun. Strenge Auflagen und Kontrollen der Zuchtstätten, verbindliche Weiterbildung der Züchter sind hier der Standard. Dies findet sich nicht beim Vermehrer um die Ecke.
In jedem Kleinanzeiger finden sich Anzeigen von oft obskuren Verpaarungen. Selbsternannte “Hobbyzüchter” kreuzen wild, was sich bei ihnen im Haus berfindet. Unkastrierte Hündinnen werden unkontrolliert von Nachbars Rüden gedeckt. Oder es finden sich Aussagen wie “Wir wollten, dass unsere Hündin auch mal Welpen hat.” Während unseres Urlaubs fanden wir an deinem Schwarzen Brett eines Supermarktes Kleinanzeigen solcher unverantwortungsvollen Menschen, die sogar gezielt “Wiederholungspaarungen” ihrer Mischlungshunde anpriesen.
Wir haben schon mehrfach gesehen, wohin das führen kann: Die Welpen stehen nicht unter tierärztlicher Kontrolle, werden nicht oder nur unzureichend entwurmt, bekommen lausiges Hunde-Futter oder Essensreste und sind oftmals schlecht oder auch gar nicht sozialisiert. Aber diese Welpen sind billig und die Menschen greifen gerne zu, denn “Geiz ist geil”. Und wundern sich hinterher, dass sie einen kranken Hund im Hause haben. Oder das der kleine Fiffi doch größer wird als der Vermehrer versichert haben.
Immer wieder fallen Menschen auf diese Kleinanzeigen rein! Und das sind dann die Hunde, die in den Tierheimen landen. Da wird einem gehbehinderten Ehepaar im fortgeschrittenen Rentenalter ein Border-Mix verkauft. Kein Wunder, das der die Wände hochgeht, wenn er nicht beschäftigt wird!
Diese Vermehrer wollen nur verkaufen! Sie haben kaum die Kosten, die ein VDH-Züchter allein mit Körung, Decktaxe, Steuern, Versicherung, Tierarzt, Futter, Entwurmung, Welpenabnahme, Zuchtstättenabnahme, Papiere und Impfungen hat.
Diese Vermehrer verdienen mit ihren Discount-Preisen für Welpen mehr als ein verantwortungsvoller Züchter! “Beim Züchter sind die Hunde so teuer” bekommt man oft zu hören. Wer schon beim Kauf eines Tieres, das den Menschen vielleicht 10 bis 15 Jahre begleiten wird, schon geizig ist, der wird dies auch beim Futter und den weiteren Kosten für ein gutes Hundeleben sein.
Und es ist (leider) so: Der Kauf und der Unterhalt eines Hundes stellt ein Stück Luxus dar und kostet ein Hundeleben lang Geld. Auch diese tatsache verdrängen viele Menschen.
Dem Vermehrer ist dies alles egal. Wenn der Welpe seinen Hof verlassen hat, ist der Verkauf abgeschlossen. Eine Beratung gibt es nicht vor dem Kauf und erst recht nicht, nachdem der Hund ein neues Zuhause gefunden hat. Ein verantwortungsvoller Züchter sagt auch einmal “Nein” zu einem Interessenten, wenn dieser eine Dogge im 4. Stock ohne Fahrstuhl halten will oder den ganzen Tag auf Arbeit ist oder schon im Vorfeld überfordert zu sein scheint. Ein guter Züchter schickt auch Menschen nach Hause, ohnen ihnen einen Welpen “angedreht” zu haben. Und sollte nach einem Hundekauf einmal etwas wirklich nicht klappen in der neuen Familie, so nimmt er einen Hund auch wieder in seine Obhut. Diese Rassehunde landen nicht im Tierheim!
Peta wirft den Rassehundeschauen vor, dass sie Stress für die Tiere bedeuten. Gut eine solche Schau ist immer ein Stück Aufregung. Aber die meisten Aussteller achten darauf, dass alles gut abläuft. Und gerade Bremen zeigte sich als sehr entpannte Ausstellung.
Peta hat sicher Recht, dass es auch unverantwortliche Züchter gibt. Die gibt es bestimmt und die sind auch auf den Ausstellungen zu sehen und auch für Laien schnell zu erkennen. Das sind die, die keine Bindung zu ihren Hunden haben und die sich über ihre Hunde definieren und darstellen wollen. Doch es ist zu beobachten, dass diese Züchter auch deutlich seltener von den Besuchern angesprochen werden.
Peta hat sicher meist gut gemeinte Motive für ihre Kampagnen, doch mit dieser sind sie übers Ziel hinaus geschossen und haben sich und ihren eigenen Zielen keinen Gefallen getan. Aber zumindestens hat Peta provoziert und für Diskussion gesorgt.
Hier der Peta-Artikel (gleichzeitig Quelle des Plakats)
![PETA_Rassenwahn_300[1]](http://www.ankes-hundeblog.de/wp-content/uploads/2010/08/PETA_Rassenwahn_3001.jpg)





Ich unterstütze Peta auf jedenfall! Bin strikt gegen Hundzucht. So etwas gehört bestraft.
Genau! Die Hunde sollen sich wild auf der Strasse vermehren … Die Stärksten werden dann überleben.
Der Autor dieses Beitrags scheint den Sinn der Peta-Kampagne noch nicht erfasst zu haben. Zitat:
“Denn die VDH-Züchter sind meist verantwortungsbewußt und wissen, was sie tun”
Die Züchter wissen also, dass zigtausende Hunde in Deutschland in Tierheimen auf ein neues Zuhause warten. Mit jedem neuen Welpen der auf den Markt geschmissen wird (egal ob aus unverantwortlicher Hobbyzucht oder “vorbildlicher Leistungszucht”) vermindert sich die Chance der herrenlosen Tiere auf ein artgerechtes und erfülltes Leben.
Für Profit und rücksichtslose Profilierungssucht sitzen tausende Traumhunde ihr Leben lang in Einzelhaft.
Zucht steht daher im Gegensatz zu Tierschutzbestrebungen und lässt jegliches Verantwortungsbewusstsein vermissen.
Der Autor begreift schon, was Peta mit dieser Kampagne versucht, sieht aber keinen Sinn darin und bezweifelt, dass sich die Peta-Aktivisten mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Fakt ist: wenn jemand einen Hund beim Züchter kauft und dafür gutes Geld bezahlt, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Hund im Tierheim landet, sehr gering. Denn die echten guten Züchter haben immer eine Klausel in den Verträgen, dass sie den Hund wieder zurücknehmen, falls sich z.B. die Lebensumstände drastisch ändern. Wir hatten nur drei solcher Fälle in den letzten 20 Jahren, darunter in allergischer Schock des Ehemannes gegen den Hund (mit drei Wochen Aufenthalt auf einer Intensivstation). Diese Hunde landen nicht in Tierheimen, sondern kamen zurück und wurden erneut in Ruhe gut vermittelt. Ein Züchter steht auch nach Abgabe der Welpen mit Rat und Tat zur Verfügung.
War einer von den Peta-Ideologen jemals in einem Tierheim? Scheinbar nicht! Denn dort sind nicht Rassehunde zu finden, sondern fast ausschließlich Mischlinge. Wo kommen die denn alle her? Bestimmt waren dies keine Welpen von VDH-Züchtern.
Diese Peta-Kampagne ziehlt wieder völlig auf Konfrontation ab. Eine Diskussion ist nicht gewünscht.
Nö, immer noch nicht verstanden.
Es ist überhaupt nicht relevant ob der Züchter gut oder schlecht ist, ob er bei mißlungener Vermittlung den Welpen zurück nimmt oder nicht.
Züchter schüren ein Überangebot, was umso dramatischer ist, weil ohnehin schon zigtausende Hunde auf der Strasse sitzen, welchen durch ständige “Nachproduktion” der Züchter ein lebenswertes Dasein verwehrt bleibt.
Züchter und Menschen, die ihren Hund aus Hobby-/Freizeit-/Leistungszucht erwerben, nehmen das traurige Schicksal der herrenlosen Hunde in Tierheimen billigend inkauf und tragen entscheidend dazu bei, dass sie Situation von Jahr zu Jahr weiter verschlimmert.
Darüber hinaus ist es falsch, dass in Tierheimen “fast ausschließlich” Mischlinge zu finden wären. Dem ist nicht so !!
Im Tierheim landen sogenannte “Rassehunde” wie Mischlinge gleichermaßen, sie werden ebenso Opfer von Umzügen, Todesfällen oder von überforderten Besitzern.
Zumal bei neutraler Betrachtung alles, was vom Wolf durch Zucht abgeleitet wurde im Grunde “Mischungen” sind, wovon einige wenige zertifiziert wurden. Einem echten Tierfreund ist dieses “VDH”-Siegel aber herzlich egal, noch mehr den Hunden.
Desweiteren darf die Frage erlaubt sein, ob jemand, dem “raumgreifendes Gangwerk” oder “korrekt getragene Rute” wichtiger erscheinen als das Wesen des Hundes, wirklich zu den Menschen gehört, die sich ein Hund als Herrchen oder Frauchen wünscht.
Also: Bitte nicht unterstellen, dass ich die Aktivisten von Peta nicht verstehe! Aber verstehen und nachvollziehen sind noch zwei Dinge!
Fakt ist: In den Tierheimen unserer Umgebung sitzen ausschließlich Mischlinge. Rassehunde sind nicht zu finden. Hier auf dem flachen Lande kommen viele Mischlinge von den Bauernhöfen. Welpen, die in Scheunen groß geworden sind und für 100,00 Euro oder weniger (oftmals ohne Entwurmung, Impfung, Tierarztkontakt) verkauft werden. Vielleicht sollte sich die Peta-Funktionäre um diese Tiere und Vermehrer zuerst einmal kümmern…
Aber da werden die Peta-Funktionäre wahrscheinlich keinen Spaß daran haben. Ist nicht so öffentlichkeitswirksam…
Hallo,
bin gerade durch Zufall auf diesen Beitrag gestoßen und würde Euch zu diesem Thema gerne unseren Appell vorstellen.
dortmunder-appell.de – Für eine Wende in der Hundezucht zum Wohle der Hunde! (Unterschriftensammlung)
Wir würden uns über Eure Unterstützung freuen!
Herzlichen Dank und freundliche Grüße!
Cathrin Laurenz
Die VDH Züchter sind verantwortungsbewußt und wissen was Sie tun ??? Ich kann dem verallgemeinernd absolut nicht zustimmen. Sicher gibt es viele VDH Züchter die eine sehr gute Zucht leisten. Ich bin nach 8 Jahren Mitgliedschaft jedoch ausgetreten, weil Inzucht und enge Linienzucht für viele Züchter immer noch die besten Zuchtstrategien sind. In unserer Rasse sind die meisten Tiere bereits miteinander verwandt. Das Zuchtgeschehen wurde dahingehend nicht überwacht, keine Deckbegrenzung für Moderüden, keine Anleitung für junge unerfahrene Züchter, jeder machte es wie er wollte und viele haben einfach die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse verschlafen. Ingezogene Hunde sind die Besten, das wurde mir verkündet und zwar nicht im Einzelfall.
80 VDH Hunderassen leiden unter eklatanten Mängeln ( Möpse mit Atemnot, Schäferhunde mit HD, C. King C. Spaniel mit Herzkrankheiten und neurologischen Erkrankungen, weil der Schädel zu klein gezüchtet wurde, Bulldoggen, die nur noch mit Kaiserschnitt gebären können u.s.w. ). Wo sind die seriösen Züchter, die sich dagegen auflehnen ?
Unter http://schnauzerfoto.de/2010/04qualzuchten-bei-rassehunden-video-dokumentation/
kann sich jeder das Deasater anschauen. Wenn auch in England gedreht, in jedem Fall übertragbar auf Deutschland.
Und auch der Hundekäufer muß umdenken und viel, viel kritischer werden.
Ich dieser Antwort Recht geben. Es gibt auch im VDH eine Menge an Sachen, die nicht gar nciht gut sind. Die genannten Rassen sind sicherlich keine Einzelbeispiele. Aber die Agitatoren von Peta haben mit der Verallgemeinerung begonnen und gegen die gesamte Rassezucht Front gemacht. Die Zucht im VDH ist rassespezifisch sehr unterschiedlich organisiert. Die genannten Rassen leiden allesamt unter der Zucht. Vieles ist dort nur unzureichend geregelt.
Inzucht, Linienzucht und Qualzuchten sind absolut abzulehnen! Bei vielen Rassen ist in Deutschland der Genpool bereits viel zu gering. Viele Züchter – auch gerade im VDH – haben einen krankhaften Ehrgeiz! Dieser gehört unterbunden, denn manchmal werden die Grenzen des Tierschutzes überschritten. Nur, wenn alle verantwortungsvollen Züchter aus dem VHD aussteigen, bleibt nur der kriminelle Bodensatz über. Also sollten man gegen diese eingefahrenen – vielleicht weil bequemen – Wege auflehnen. Das ist schwierig, da sich einige Züchter einen nicht zuvertretenen Machtstatus aufgebaut haben. Ein Austritt kann nur die letzte Möglichkeit bleiben, ist aber zu begrüssen, wenn es nicht mehr geht. Ich persönlich pflege mit einigen VDH-Züchtern keinen herzlichen Kontakt. Ich suche mir die Menschen aus, mit denen ich mich abgebe. Wir werden auch nicht von wirtschaftlichen Interessen getrieben, wie es einige Züchter sind.
Danke für den Kommentar!
I
” … solcher unverantwortungsvollen Menschen, die sogar gezielt “Wiederholungspaarungen” ihrer Mischlungshunde anpriesen.
Wir haben schon mehrfach gesehen, wohin das führen kann: Die Welpen stehen nicht unter tierärztlicher Kontrolle, werden nicht oder nur unzureichend entwurmt, bekommen lausiges Hunde-Futter oder Essensreste und sind oftmals schlecht oder auch gar nicht sozialisiert. ”
Wie kann man allen Ernstes pauschal behaupten, dass Menschen, die Mischlingshunde aufziehen, verantwortungslos sind und sich nicht um die Tiere kümmern?
Das ist haarsträubend.
Wer lesen kann ist, so denke ich einmal, ganz klar im Vorteil. Dort wird nicht pauschalisiert, sondern dort steht (dankeswerterweise sogar zitiert): “Wir haben schon mehrfach gesehen…” Ich kann dies belegen, sonst würde ich es nicht schreiben! Hier “über Land” wird ganz gerne mal im dunklen Stall ein Wurf von Hunden ohne Sinn und Verstand vermarktet.
Ich habe in einem Supermarkt wirklich einen Flyer gesehen, mit dem eine Wiederholungspaarung von Mischlingen angepriesen wird. Wer sich auch nur ansatzweise einmal mit Genetik beschäftigt hat, wird sich die Haare raufen!
Also: Es ist nicht pauschlisiert. Peta pauschalisiert mit dem “Rassenwahn” (Alle Rassehundezüchter sind unverantwortlich) und impleziert damit, dass alle Vermehrer von Msichlingshunden die Guten sind.
Ich wollte nur aufzeigen, dass es bei BEIDEN Parteien schwarze Schafe gibt.
Es gibt auch liebevolle und verantwortungsbewusste Aufzuchten von Mischlingen.